HAZOP / PAAG
HAZOP / PAAG

 

Die Bezeichnung HAZOP (HAZard and OPerability study) kommt aus dem englischsprachigen Raum. In Deutschland ist die Methode unter dem Begriff PAAG (Prognose, Auffinden der Ursachen, Abschätzen der Auswirkungen und Gegenmaßnahmen einleiten) bekannt.

HAZOP / PAAG beschreibt eine systematische Vorgehensweise zum Auffinden möglicher Abweichungen und Störungen in Systemen. Etabliert hat sich die Methode insbesondere als Instrument der sicherheitstechnischen Beurteilung in der Prozess-, Pharma- und Petroindustrie.

Das PAAG / HAZOP-Verfahren dient dazu, Szenarien für Abweichungen und Störungen zu entwickeln und zu beschreiben. In der Praxis wird das PAAG-Verfahren daher üblicherweise mit risikobewertenden Methoden (z. B. FMEA oder LOPA) verknüpft und dabei als Instrument der Gefahrenidentifizierung verwendet, da diesen Methoden keine so umfassende Suche nach Szenarien vorgeschaltet ist. Es ist daher die Kombination der Methoden, die die Qualität einer sicherheitstechnischen Beurteilung auszeichnet.

Die Methode wird immer in einem interdisziplinären Team angewandt. Es ist wichtig, dass die Teammitglieder aus verschiedenen Fachbereichen stammen und Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Das Vorgehen findet in vier Schritten statt. Diese sind wie folgt:

  1. Prognose von Abweichungen

Das zentrale Element ist das „Leitwort“. Mit dem Leitwort wird beschrieben, durch welche Fehlfunktion eine Abweichung vom bestimmungsgemäßen Betrieb zustande kommen kann. Beispielhafte Leitworte können sein:

Beispiel:

Druck auf der Pneumatikleitung beträgt 5 bar.

„Nein oder nicht“ – Die Sollfunktion wird nicht erfüllt oder findet nicht statt.

An der Pneumatikleitung liegt kein Druck an.

„Mehr“  – Quantitativer Zuwachs von Prozessgrößen, etwas erfolgt zu viel.

Der Druck in der Pneumatikleitung übersteigt 5 bar.

„Weniger“ – Quantitative Abnahme von Prozessgrößen, etwas geschieht zu wenig.

Der Druck in der Pneumatikleitung erreicht nicht 5 bar.

„Anders als“ – Elemente der Sollfunktion werden durch etwas anderes ersetzt.

In der Druckluftleitung befindet sich 100 % Stickstoff.

  1. Auffinden der Ursachen

Im Team werden dann gemeinsam Ursachen ermittelt, die für das beschriebene Szenario in Frage kommen können. Dabei wird bereits integrierte Sicherheitstechnik vollständig vernachlässigt.

  1. Abschätzen der Auswirkungen

Die Auswirkungen der prognostizierten Fehlfunktionen werden im Team abgeschätzt. Hierbei gilt es, verschiedene Arten des Schadensausmaßes (z. B. Personenschäden, Umweltschäden, finanzielle Schäden) mit unterschiedlichen Gewichtungen zu bewerten. Methoden wie FMEA und LOPA kommen jetzt ins Spiel.

  1. Gegenmaßnahmen

Geplante und bereits bestehende, schadensbegrenzende Gegenmaßnahmen werden dokumentiert und ggf. erneut bewertet. Diese Maßnahmen können sowohl technischer als auch administrativer Art sein.

 

Sie haben noch Fragen zu HAZOP / PAAG oder wissen nicht, wie HAZOP- / PAAG-Analysen in der Praxis umgesetzt werden? Sie wollen Ihre Prozesse sicher auslegen, Anlagen miteinander verketten oder eine sicherheitstechnische Bewertung durchführen lassen? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir unterstützen Sie gerne mit unserem Wissen und unserer Erfahrung bei der Umsetzung der Analysen.

 

Verfasser dieses Blogartikels ist Thomas Möller (Leiter Technische Redaktion im Bereich Maschinensicherheit)

 

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