[Quelle: 2023/1230 EU-Maschinenverordnung, 1.7.4.2 u), Stand 03.09.2025]
Beim Thema Luftschallemission stellt uns die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, wie auch der Vorgänger, vor ein Rätsel. Wo muss ich was messen und was schreibe ich dann wo hin? In den folgenden Kapiteln soll versucht werden, dieses Rätsel ein wenig zu durchschauen und Licht ins Dunkel zu bringen.
Angaben in der Betriebsanleitung
Ganz nüchtern betrachtet fordert die Maschinenverordnung folgende Angaben:
I) Emissionsschalldruckpegel A-bewertet ≤ 70 dB(A)
a. Gemessen am Arbeitsplatz
b. Wenn die Maschine lauter ist, den genauen Wert (z.B. 73 dB(A))
c. Wenn die Maschine lauter ist als 80 dB(A), dann auch die Ergebnisse einer Schallleistungspegel-Messung
II) Emissionsschalldruckpegel C-bewertet, wenn er >63 PA ist
a. Gemessen am Arbeitsplatz
b. Angabe des Höchstwertes
c. Entspricht 130 dB bezogen auf 20 μPa
(20 μPa bezieht sich auf die menschliche Hörschwelle, also den leisesten Ton, den ein gesundes Ohr hören kann)
Unsicherheit, Betriebsbedingungen und Messmethode werden bei allen gemessenen Werten angegeben. Außerdem wird in der Betriebsanleitung beschrieben, wie Lärm bei der Montage reduziert werden kann und welche geräuschmindernden Maßnahmen ergriffen wurden.
Das klingt doch ganz einfach. Aber was genau wird denn da gemessen?
Unterschiedliche Pegel
Der Emissionsschalldruckpegel wird an einem bestimmten Ort gemessen, in diesem Fall am Arbeitsplatz.
Der Schallleistungspegel wird im gesamten Bereich gemessen, also ortsunabhängig.
Für die Bewertung einer Schallmessung können unterschiedliche Messkurven herangezogen werden. Die Messung des Emissionsschalldruckpegels kann mit zwei Bewertungskurven durchgeführt werden. Die A-Bewertungskurve ist dem menschlichen Gehör nachempfunden und daher stark auf mittlere Frequenzen (1 bis 6 kHz) ausgelegt. Dadurch lässt sich das Lautstärkeempfinden simulieren. Die C-Bewertungskurve hingegen ist flach und umfasst auch tiefere und höhere Frequenzen als in der A-bewerteten Kurve. Dadurch lässt sich das Lautstärkeempfinden bei hohen Lautstärken nachbilden.
Kurzum:
· A-Bewertung: Lautstärke am Arbeitsplatz und in der Umgebung ermitteln.
· C-Bewertung: Lautstärke von sehr lauten Maschinen ermitteln.
Warum haben die Werte unterschiedliche Einheiten?
Der A-bewertete Emissionsschalldruckpegel ist ein bewerteter Effektivwert (RMS) über Zeit. Er lässt sich sinnvoll in Dezibel [dB(A)] ausdrücken, weil die mittlere Lärmbelastung gemessen werden soll. Anders ist die Angabe des C-Bewerteten Emissionsschalldruckpegels in Pascal [Pa]. Diese Einheit erklärt sich dadurch, dass der Höchstwert der Messung gefordert wird. Der C-bewertete Emissionsschalldruckpegel wird wie der A-bewertete Emissionsschalldruckpegel gemessen, jedoch wird nur der Höchstwert angegeben, also nur eine Momentaufnahme. Bei diesem Wert handelt es sich um eine tatsächliche physikalische Größe, der in Pascal angegeben werden kann. Eine Betrachtung über Zeit findet zwar statt, wird aber nicht angegeben.
Messungen und wo sie stattfinden
Die Werte werden an der Maschine selbst oder an einem vergleichbaren Modell gemessen. Handelt es sich um eine sehr große Maschine, so können statt des A-bewerteten Schallleistungspegels auch mehrere A-bewertete Emissionsschalldruckpegel an Stellen in der Umgebung der Maschine gemessen werden, an denen sich Personen aufhalten. Hintergrund ist eine kaum mögliche Messung des Schallleistungspegels. Sollte es keine Arbeitsplätze geben, oder diese nicht festgelegt sein, so wird unter folgenden Parametern gemessen:
I) A-bewerteter Emissionsschalldruckpegel
II) 1 m von der Oberfläche der Maschine
III) 1,6 m über dem Boden
Der höchste gemessene Wert und sein Messpunkt sind dann anzugeben.
Für Messungen an den Maschinen werden harmonisierte Normen herangezogen oder, wenn es für die entsprechende Maschine, keine solche gibt, eine geeignete Methode gewählt.
Normen
Die Grundnormen, die bei der Bestimmung der Werte herangezogen werden können, sind die DIN EN ISO 11201 bis 11205 für den Emissionsschalldruckpegel und die DIN EN ISO 3744 sowie die DIN EN ISO 3746 für den Schallleistungspegel. Je nach Maschinenart können auch andere Normen genutzt werden.
Fazit
Zwar sind die Anforderungen nicht ganz einfach zu durchschauen, sparen aber bei genauerem Hinsehen einiges an Aufwand. Schall ist so komplex und kann von schöner Musik bis zu ohrenbetäubenden Krach alles sein. Daher ist auch die Bewertung nicht ganz einfach. Wo hört die Musik auf und wo beginnt der Krach? Das muss jeder selbst beantworten. Wann eine Maschine von angenehm surrend zu belastend laut und schließlich zu schmerzhaft plärrend übergeht, ist messbar. Für eine einfache und schnelle Übersicht soll die folgende Grafik sorgen.
Vorgehen
